ALADIN -
Der interaktive Sky- Atlas
des CDS
(Eine kurze Einführung von Matthias Felsch)

(Aktualisierte Fassung eines Artikels aus: INTERSTELLARUM 16, Ausgabe Januar 2001,
beschriebene Version: Aladin v1.4, Stand März 2003)

Vorbemerkung:
Diese Einführung soll und will keinesfalls die Aladin- FAQ oder gar das Aladin- Handbuch (dort als pdf erhältlich) ersetzen. Während diese zwei Quellen detaillierte, englischsprachige und offizielle Gebrauchsanleitungen darstellen, möchte der vorliegende Artikel sich auf eine auf den Aladin- Neuling zugeschnittene Darstellung der ersten Schritte im Umgang mit dieser mächtigen Ressource beschränken, so dass rasch erste Ergebnisse möglich sind.



Übersicht

1. WAS IST ALADIN ?
2. DER ALADIN SKY- ATLAS
3. SERVER SELECTOR/ LADEN DER ERSTEN EBENE
4. LADEN WEITERER EBENEN / KATALOGE
5. MAUSOPERATIONEN / OBJEKT- DATEN

6. TOOLBAR / EBENEN
7. WEITERE SERVER
8. EMPFEHLUNG: ALADIN JAVA ALS STANDALONE- PROGRAMM

 


1. WAS IST ALADIN ?                              


ALADIN ist ein Java- Applet, mit dem man auf zahlreichen Ebenen übereinander Bilder aus dem DSS (Digitized Sky Survey) und aus anderen Quellen mit Daten aus einer fast unübersehbaren Anzahl astronomischer Kataloge in grafischer Form kombinieren kann; dies ermöglicht dem Nutzer immense Gestaltungs- und Recherchemöglichkeiten. So kann auf komfortable Weise ein fotografischer Anblick mit den zur Zeit bekannten Daten abgeglichen und fast jede denkbare Sternkarte hergestellt werden.

Das Laden der Daten ist nur online möglich, da ALADIN externe Datenbanken (wie NED) und die Kataloge und Server des CDS (Centre de Données astronomiques de Strasbourg) nutzt. Der Zugriff auf die CDS- Kataloge ist dank des "VizieR"- Browsing- Systems sehr einfach.

Markierungen, Namensschilder, Selbsterstelltes (z.B. Text, Hinweispfeile, Verbindungslinien, Umrandungen) können das Werk abrunden.
Dabei ist jedes Objekt anklickbar, so daß man sofort in einer Infozeile und einem darunterliegenden Datenfenster Informationen dazu erhält. Weiterhin kann man dort auf Mausklick für jedes Objekt mit den entsprechenden Datenbanken verbunden werden, die dann alles auflisten, was über das Objekt bekannt ist (gilt natürlich nicht für Objekte auf Fotos).
Die Info- Funktionen sind ausgefeilt und umfangreich, wie wir unten sehen werden.


2. DER ALADIN SKY- ATLAS                               (zurück zur Übersicht)

Zum Starten im (java- fähigen) Browser ruft man die Seite

http://aladin.u-strasbg.fr/AladinJava?-rm=14.1&-server=Aladin

auf.
Nach kurzer Zeit (kann gut eine Minute dauern..) ist das Java Programm geladen und gestartet.
Vor sich hat man jetzt das Hauptfenster des "Aladin Sky Atlas" (das folgende Bild zeigt bereits geladene Ebenen, wie weiter unten beschrieben; beim Start zeigt das Fenster einen kurzen Einführungstext):

Mit einem Button "Detach" kann man Aladin ein eigenes Fenster spendieren, "Undetach" macht dies wieder rückgängig.


3. SERVER SELECTOR/ LADEN DER ERSTEN EBENE          
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Nach Klick auf "Load" in der Menüzeile öffnet sich der "Server Selector":

Hier können Server und Katalog ausgewählt werden.
Als Beispiel für die Vorgehensweise dient hier die Gegend um M 81. Zunächst soll der fotografische Anblick geladen werden.

Dazu wählt man im Server Selector links "Aladin" an, den 'Bilder- Server'.
Als "Target" gibt man einfach "M81" ein (Eingabeformate unter:
http://vizier.u-strasbg.fr/cgi-bin/Dic-Simbad
  ).

Auch Koordinateneingabe ist möglich.

Daraufhin lädt das Programm erstmal eine Liste der zur Verfügung stehenden Bilder in das Fenster unter der "Target-" Eingabezeile. Diese Bilder stammen vorwiegend aus dem POSS 1 oder 2 und sind, in verschiedenen Größen, als JPEG oder FITS zu haben (für den Südhimmel gibt es auch digitalisierte ESO-R und SERC- Platten). Im Beispiel wurde angewählt: Poss II, blue, 12.9 x 12.9 Bogenminuten.

Die Datenanfrage wird dann durch "SUBMIT" übermittelt.

Nach der Ladezeit erscheint das Bild einmal im Kartenfenster (meist als Ausschnitt) und ein zweites Mal als Ganzes, aber verkleinert, im Übersichtsfenster. Dort zeigt ein (verschiebbarer) grüner Rahmen den im Kartenfenster sichtbaren Ausschnitt an; mit 'Zoom' direkt darüber kann man Maßstab und Ausschnittgröße ändern.

In dem "Ebenen- Stapel" rechts neben dem Toolbar ist dann die unterste Ebene mit dem Bild belegt und rechts daneben mit dem Namen der Quelle benannt.


4. LADEN WEITERER EBENEN / KATALOGE                 (zurück zur Übersicht)

Im abgebildeten Beispiel wurde als nächstes ein Sternkatalog (hier: GSC 2.2) geladen. Man selektiert dazu im Server Selector diesmal "VizieR", den CDS- Katalog- Lieferanten, und zwar in diesem Fall "Surveys in VizieR".



In die dann erscheinende Eingabemaske sind die wesentlichen zu dem vorher geladenenen Bild passenden Daten schon eingetragen (Objekt, Radius des Feldes..), und der GSC 2.2- Catalog kann in der Liste darunter angewählt werden.
Diesmal geht's etwas schneller als beim Bild- Laden und als zweite Ebene werden dann in Rot die Sterne angezeigt, die im GSC 2.2 zu finden sind.

Als nächstes könnte man z.B. die Galaxien- Katalog- Sammlung "OptGal" laden, die in diesem Feld allerdings nicht das meiste liefert...

Nach dem Laden würden dann in Blau die im Katalog befindlichen Galaxien- Objekte angezeigt, und eine weitere Ebene wäre belegt und benannt.

Grundsätzlich erhält jede neue Ebene im Ebenen- Stapel eine neue, eigene Farbe, und die Markierungen in der Karte, die von dieser Ebene beigesteuert werden, haben jeweils dieselbe Farbe. So hat man stets die Übersicht, welches Objekt von welcher Ebene stammt.

So, wie eben beschrieben, sind alle Kataloge erreichbar, die auf dem VizieR- Server liegen, ca. 2900 Stück, ein quasi unerschöpflicher Fundus (unter
http://vizier.u-strasbg.fr/cgi-bin/vizHelp?cats/cats.htx
findet man eine komplette Liste).

Aber welche Kataloge soll man denn überhaupt befragen? Dabei hilft der "VizieR Catalog Service", der über den Button "VizieR Catalogs" erreichbar ist.



Dort kann man nach Zielobjekt ("Target") oder Stichwort sich die interessanten Kataloge vorschlagen lassen... dabei sollte aber unbedingt ein realistischer Feldradius gewählt werden, sonst erhält man schnell eine Liste von mehreren Hundert Katalogen, die Objekte in der Umgebung des Zielobjektes nennen. So liefern z.B. das Zielobjekt "M81" und ein Radius von 9 min eine Aufstellung von 138 Katalogen, die Objekte im fraglichen Bereich enthalten....... bei nicht definiertem Radius wurde die Suche (in vernünftiger Zeit) gar nicht beendet....

Zur weiteren Eingrenzung kann man im Feld "Author, free text..." zusätzliche Kriterien eingeben, was aber voraussetzt, dass man weiss, wonach man eigentlich sucht..

Der Verfasser hat - probeweise - einmal für das 9- Bogenminuten- Feld rings um den Kern von M81 über 20 Kataloge aus der oben erwähnten Liste geladen; den Screenshot (207 kB)findet man hier .
Dies zeigte nicht nur, in welch erstaunlichem Ausmass über wieviele Objekte auf so kleinem Feld etwas bekannt ist, sondern auch, dass die Anzahl der kombinierbaren Ebenen in Aladin im Gegensatz zu früher nicht mehr auf 12 begrenzt ist. Wenn man bedenkt, dass jedes der angezeigten Objekte bei Anklicken nicht nur in der Infozeile einen reduzierten Satz von "Grundinformationen" liefert, sondern von dort aus auch der Link zu dem kompletten Datenbankeintrag aufrufbar ist, wird vielleicht anschaulich, welch mächtiges Recherchewerkzeug hier vorliegt.

Diese Auswahlfülle zeigt schon, dass es sich bei "VizieR Catalogs" wohl eher um ein Werkzeug für Fortgeschrittene oder Spezialisten handelt...
Der "einfache" Amateurastronom kommt bei vielen Identifizierungsaufgaben, die wohl meist die aktuelle Fragestellung bilden, vermutlich besser mit "Surveys in VizieR" oder "Simbad" zurecht, einer Sammlung, die letztlich die Quellenauswahl selber schon vornimmt und in den meisten Fällen zu Ergebnissen führt.


5. MAUSOPERATIONEN / OBJEKT- DATEN                  (zurück zur Übersicht)

Der Mauszeiger dient u.a. als Dauerlieferant für Informationen, je nachdem, was sich gerade darunter befindet. Ob Toolbar- Button, Ebenen- Name, Objekt oder Markierung in der Karte, immer erscheint in der Infozeile eine entsprechende (Kurz-) Information.

Läßt man ihn über die Karte wandern, werden in der Koordinatenzeile darüber fortlaufend die aktuellen Koordinaten angezeigt.

Wird ein Objekt angeklickt oder wurden mehrere selektiert (durch Rahmen- Aufziehen per Maus), zeigt das Datenfenster eine Auflistung dieser Objekte mit ihrer Katalognummer und einem ersten Satz Daten; deren Bedeutung steht ebenfalls in der Infozeile, wenn man mit dem Zeiger über diese Daten geht.

Kommt der Mauszeiger auf die blauen Katalog- Nummern, erscheinen in der Infozeile dagegen weitere Infos zur Benennung; ein Anklicken (natürlich sind die Katalog- Nummern Links) läßt eine neues Browserfenster aufspringen, das mit dem jeweiligen Katalog verbindet und den kompletten Eintrag des Objektes zeigt.


6. TOOLBAR / EBENEN                                   (zurück zur Übersicht)

Die Buttons im Toolbar bieten vor allem Funktionen zum Verändern der Ebenen oder Hinzufügen neuer. Zu nennen wären hier u.a.:

"Select": selektieren von Ebenen oder Objekten,

"Histog" (Histogramm): Bearbeitung einer Bild- Ebene,

"Prop" (Properties): Ebenen- Eigenschaften verändern,

"Delete" : Löschen von Ebenen,

"Pad": ein Notiz- Pad, zum Ansammeln von Notizen,

dazu eine Lupe ("mglss", Vergrösserung erscheint im Übersichtsfenster), sowie Buttons zum Hinzufügen von Zeichnungen ("Draw"), Label, Text, Entfernungsmess- Linien ("Dist") und Markierungen ("Tag"). Bemerkenswert ist auch die "Filter" - Ebene, die ein vielseitiges Gestaltungswerkzeug bietet.
Einige dieser Funktionen erzeugen eine neue Ebene.

Wenn einem die Kurz- Info in der Infozeile nicht reicht, erfährt man die Funktion der Toolbar- Buttons aus der Online- Hilfe. ("HELP ON" in der Menüleiste anwählen und mit der Maus über den jeweiligen Button gehen.)

Die Ebenen- Reihenfolge kann man ganz einfach durch 'drag and drop' des jeweiligen Ebenensymbols ändern. Achtung: Eine Bildebene ist natürlich nicht durchsichtig und verdeckt darunterliegende Datenebenen.

Jede Ebene kann man separat ein- und ausschalten durch Anklicken ihres Symbols.

Ist sie durch Klick auf ihren Namen selektiert, lassen sich die beschriebenen Toolbar- Operationen auf sie anwenden.


7. WEITERE SERVER                                   (zurück zur Übersicht)

Im Server Selector stehen neben Aladin, SkyView, VizieR, NED (ca. 3,2 Mio extragalaktische Objekte) und SIMBAD (ca. 2,7 Mio Objekte außerhalb des Sonnensystems) noch einige andere zur Verfügung; diese sind über die Buttons zu beiden Seiten des Server Selectors zu erreichen.
Obendrein stehen mit "FoV" (Field of View) die Bildfeldabmessungen verschiedener Grossteleskope als Rahmen zur Verfügung.


8. EMPFEHLUNG:
   ALADIN JAVA ALS STANDALONE- PROGRAMM
              
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Man kann das Java- Applet statt im Web- Browser auch als ein eigenständiges Programm laufen lassen. Dies ist absolut empfehlenswert, und zwar wegen der Möglichkeit des Abspeicherns und Ausdruckens, die die Sache eigentlich erst 'rund' macht. Aus dem Browser heraus ist das (außer als screenshot) leider nicht möglich.

Dazu lädt man 'Aladin Java' (387 KB) herunter unter:
http://aladin.u-strasbg.fr/AladinJava?frame=downloading
Näheres zum Java- Konzept
findet man hier:
http://aladin.u-strasbg.fr/java/JavaInfo.htx
(mit einem Link zur Sun Java- Seite, wo man die
Java Virtual Machine herunterladen kann, falls sie nicht schon "an Bord" ist).

Natürlich muss man trotzdem online sein, solange man Daten von den Servern laden will.

Die Menüleiste ist dann erweitert um "PRINT" und "SAVE" . Man kann eine fertiggestellte Karte also drucken oder speichern (als FITS). Auch der ganze Ebenenstack im momentanen Bearbeitungs- Zustand kann dann auf der Festplatte gesichert werden, ebenso wie einzelne Ebenen, und zwar als ASCII- File bei Daten und als FITS bei Bildern.

Das "LOAD"- Kommando ist nun auch in der Lage, von der lokalen Platte einzulesen, so dass die abgespeicherten Arbeiten später fortgesetzt und mit neuen Daten aus Aladin kombiniert werden können.


(C) Matthias Felsch, verfasst im Januar 2001/März 2003
Veröffentlichung nur mit Genehmigung des Autors.

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